Gelände – Wagenburg

Im Jahr 1432 durchstreiften hussitische Kämpfer bei einem ihrer Feldzüge auch die Lausitz. Sie mögen Verbündete gesucht haben, sie mögen Einigkeit demonstriert haben… Aber eines ist sicher: Sie sind auch gekommen, um reichlich Beute zu machen! Wer sich ihnen dabei entgegenstellte, ging ein hohes Risiko für Leib und Leben ein.

Bei ihren Feldzügen führten die Hussitenheere mehrere hundert Wagen mit sich, die sie – gut organisiert – zu Wagenburgen formieren konnten: Die Wagen wurden im Viereck aufgestellt – leicht gegeneinander versetzt, die robusten Kriegswagen außen, die Gepäck- und Proviantwagen innen. Ausklappbare Bretter, Setzschilde, Ketten und Pfähle verhinderten das Hindurchkriechen. Die „Burg auf Zeit“ diente den Hussiten vor allem als militärische Basis, von der aus sie feindliche Heere wirksam bekämpften. Vier große Kreuzzüge der Kaiser, Könige, Päpste und Bischöfe endeten mit Niederlagen, zum Teil sogar in wilder Flucht.

Bild Wagenburg Doch wie war das möglich?! Die hussitischen Heere bestanden überwiegend aus Kämpfern bäuerlicher Herkunft, aus Menschen aus der Stadtarmut, Studenten, Gesellen, Handwerkern sowie aus einigen Angehörigen des niederen und höheren Adels. Zum Tross gehörten Frauen und Kinder… Und dennoch lehrten sie ihre Gegner das Fürchten?

Ihre Anführer (Jan Zizka, Andreas Prokop) waren geschickte Taktiker: Wenn die heranstürmenden Kreuzritter nahe genug waren, wurden Armbrüste, Hakenbüchsen und Haubitzen gleichzeitig aus den Kriegswagen abgefeuert. Jetzt nutzten die hussitischen Nahkämpfer das Chaos, das durch den Feuerschlag in den gegnerischen Reihen entstanden war – und im richtigen Augenblick brach auch noch die leichte Reiterei aus der Wagenburg hervor…

Nicht minder wichtig waren die Disziplin und Entschlossenheit der Hussiten im Kampf. Sie folgten den Lehren des Kirchenreformators Jan Hus. Dieser wurde trotz der Zusicherung freien Geleits am 6. Juli 1415 vom Konstanzer Konzil verurteilt und als Ketzer verbrannt.

Seine Anhänger fanden sich daraufhin zu Revolten zusammen, die zu einer religiös-reformatorischen Massenbewegung anwuchsen und zu den von 1419 bis 1434 andauernden Hussitenkriegen führten. Die Bauern hatten schon lange genug von den Missständen in der Kirche und von der Bereicherungssucht ihrer Vertreter. Sie forderten die Rückkehr der Kirche zu ihrer ursprünglichen Mission, sie kämpften für eine Gesellschaftsordnung im Einklang mit den christlich-ethischen Werten („Gleichheit der Kinder Gottes“) sowie für soziale und wirtschaftliche Veränderungen.

Für das Scheitern der hussitischen Bewegung gibt es nur eine Erklärung: Uneinigkeit. Die Rivalitäten untereinander gipfelten in der großen Schlacht bei Lipan (1434), wo sich zwei hussitische Heere gegenüber standen… Doch letztlich trugen die bäuerlichen Kämpfer dazu bei, dass die Ideen einer gerechten gesellschaftlichen Ordnung weitergetragen wurden. Die Bewegung der Hussiten wird als historischer Vorläufer der Reformation im 16. Jahrhundert verstanden.

Schachbrett in der Wagenburg

Schachbrett in der Wagenburg

Heute greifen wir die friedlichen Aspekte des Lebens in der Wagenburg auf. Die Planwagen der „Lausitzer Zeitreisen“ stehen in lockerer Formation. Sie bilden damit einen geschützten und gleichzeitig offenen Raum. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können in den Planwagen der „Lausitzer Zeitreisen“ wohnen und an verschiedenen Programmen teilnehmen. Im Laufe der Zeit haben wir 14 Wagen auf- und ausgebaut. Ohne die Gestelle, die uns von den Bewohnern der umliegenden Dörfer geschenkt wurden, wäre das nicht möglich gewesen. Die Dächer der Planwagen erhalten ihre Form durch gebogene Haselruten. Wasserdichte Planen schützen Mensch und Gepäck vor Witterungseinflüssen.

Dennoch ist es ein Abenteuer, in freier Natur mit den einfachsten Mitteln zu leben – und eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es ist, für alles Lebensnotwendige selbst zu sorgen. Dass das mit gegenseitiger Unterstützung besser geht, wird bei den gemeinsamen Aktionen während einer FerienCampwoche, Klassenfahrt oder während eines Workshops schnell klar: Sich auf die Situation oder Aufgabe einlassen, Ideen entwickeln, den eigenen Platz in der Gruppe finden, Verantwortung für das Ganze übernehmen, ein Ziel bis zum Ende verfolgen – Erfahrungen dieser Art wirken bis in den Alltag hinein.

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