*** Geschichte, Energie, Fantasie ***
Slawendorf

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Wegweiser zum Slawendorf
Die slawische Einwanderung und Besiedlung in Mittel- und Ostdeutschland (also auch in unseren Gefilden) begann um 600 u. Z. Die Neuankömmlinge trafen auf dünn besiedelte Landstriche und errichteten lockere Kleinsiedlungen, in denen kaum mehr als drei oder vier Familien lebten. Deshalb ist es eher zutreffend, von Weilern zu sprechen als von Dörfern. Auch Einzelhöfe waren keine Seltenheit.




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Eingang zum Slawendorf
Anhand historischer Vorbilder haben wir auf unserem Gelände Teile einer solchen slawischen Ansiedlung nachgebaut. Man erkennt sie schon von weitem an den mit Stroh bedeckten Dächern. Unsere slawischen Vorfahren haben sich, wo sie auch hinkamen, den Gegebenheiten angepasst. Wo es an passendem Holz für Blockhäuser fehlte, taten es auch Flechtwandhäuser, die mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh dick „bepackt“ wurden. Sie hielten im Winter warm und boten im Sommer kühle Zuflucht. Auch wir haben uns für diese Art des Hausbaues entschieden: Nun können Interessierte ein Wohnhaus, eine Töpferei, einen Speicher und eine Backstube in Augenschein nehmen. Hinzu kommt eine offene Werkstatt mit Seitenwänden aus Flechtwerk. Drei der Häuser sind mit Stroh gedeckt. Das Wohnhaus betritt man durch eine zweiteilige, von Hand gezimmerte (und authentisch quietschende) Tür. Der obere Teil der Tür kann wie ein Fenster geöffnet werden. Mitten auf dem Boden befindet sich eine offene Feuerstelle. In alter Zeit wurde je nach Bedarf Birkenholz (viel Licht) oder Buchen-/Eichenholz (viel Hitze zum Kochen) verbrannt. Über dem Feuer fängt ein Zwischenboden aus Holzbalken und Lehm die umher fliegenden Funken auf. Auf ihm können Lebensmittel geräuchert werden. Als Rauchabzüge dienen Öffnungen ganz oben an den Giebelseiten des Hauses.



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Wohnhaus


So ein Wohnhaus bestand nur aus einem Raum, der kaum so groß war wie eines unserer heutigen Wohnzimmer. Dort lebten fünf bis sechs Leute… Keine Stubenhocker – das Leben spielte sich vor allem draußen ab. Und es gab viel zu tun! Unsere slawischen Vorfahren waren reine Selbstversorger, die der Natur immer wieder von neuem ihr Überleben abtrotzen mussten. Schlechtes Wetter, Trockenheit, gefräßiges Ungeziefer: Wenn die Ernte ausblieb, konnte der Winter sehr lang und sorgenvoll werden…




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Backofen im Backhaus
Die meiste Zeit beanspruchte die Arbeit auf dem Feld. Gepflügt wurde mit hölzernen Haken, die nicht sehr tief in die Erde eindrangen. Zunächst dominierten Emmer, Dinkel und Gerste, doch dann ging man mehr und mehr zu anspruchslosem Roggen, Saatweizen als Brotgetreide und nahrhafter Hirse über. Wer kennt nicht das Märchen vom süßen (Hirse-)Brei? Es gibt auch der Sehnsucht Ausdruck, nie mehr hungern zu müssen. Bei archäologischen Ausgrabungen fanden sich auch Spuren von Erbsen, Linsen und Ackerbohnen (allesamt wertvolle Eiweißlieferanten), von Buchweizen, Gurken, Möhren und Sellerie. Vieles kann heute nicht mehr nachgewiesen werden. Wir können nur vermuten, dass auch noch andere Gemüsesorten angebaut wurden. Häufig ging es in den Wald, um seine freigiebigen Spenden einzusammeln: Holz zum Heizen, Beeren, Honig, wild wachsende Äpfel und Heilkräuter. Und unter den Eichen wurden die Schweine dick und rund… Genau wie unsere fernen Verwandten machen wir uns heute noch auf den Weg, um Holunderblüten zu schneiden und Pilze zu suchen.
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Backhaus mit Backofen
Respekt ist das Mindeste, was wir den vielen Talenten, Kenntnissen und Fähigkeiten unserer slawischen Vorfahren entgegen bringen können: Denn sie stellten alle im Alltag benötigten Gegenstände, die meisten Werkzeuge und ihre Kleidung selbst her! Sie spannen Fäden aus Schafwolle, Hanf- und Flachsfasern, sie webten daraus Stoffe und Borten, sie stellten aus Tierhäuten Leder her, sie nähten alles selbst, auch ihre Schuhe, sie schnitzten Holz und Knochen, sie schmiedeten, zimmerten, tischlerten und töpferten. Sie gewannen Teer aus harzreichem Holz, bauten ihre Häuser und Werkstätten, Möbel, Wagen und Boote… Erst allmählich kristallisierten sich dafür Spezialisten heraus, die von ihrem Handwerk leben konnten.



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Speicher im Slawendorf
Es mag viele Gründe geben, uns dem Leben unserer fernen Vorfahren wieder zuzuwenden. Einer davon könnte sein, dass wir heute faktisch auf einem Gegenpol gelandet sind: Wir wissen kaum noch Bescheid, wo unsere Lebensmittel herkommen. Sie sind meist soweit verarbeitet und „verfeinert“, dass wir die Gaben unserer Mutter Erde darin nicht mehr erkennen können. Wir bekommen alles vorgesetzt, werden immer satt… Nur manchmal horchen wir auf und erahnen, auf welch dünnen Füßen unsere vermeintliche Sicherheit und Geborgenheit steht.


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Speicher und Schmiede von links nach rechts
Sie können das Slawendorf einfach nur betrachten – oder sich führen lassen und die Bauweise und die Einrichtung genauestens inspizieren, uns Löcher in den Bauch fragen und altes Hand- oder besser Hauswerk ausprobieren. Doch Vorsicht! Es könnte sein, dass dabei eine alte Sehnsucht in Ihnen wach wird…